Der falsche General

Il Generale della Rovere drama, war
Kinostart
11.11.1959
Produktionsland
Italy, France
Genre
Spache
Italian, German, French, Hebrew, English
IMDB
7.8 (2849 Stimmen)
100 %
Cover: Der falsche General
Genua, Winter 1943. Emanuele Bardone ist ein typischer Kleingauner jener Zeit, der sich durch die schweren Kriegsjahre irgendwie durchzumogeln versucht. Mit Charme, Gewitztheit und einem gewissen Maß an Chuzpe gelingt es ihm, sich mit seinen Betrügereien finanziell über Wasser zu halten. Selbst vor dem Leid der Verwandten von einsitzenden italienischen Partisanen und Widerstandskämpfern macht er nicht halt. Er nötigt deren Verwandten Geld ab, die ihm vertrauensvoll alles übergeben, im Glauben, er würde sich für die Inhaftierten einsetzen. Trotz all des Geldes, das er mit der betrogenen Hoffnung auf Rettung der Einsitzenden einnimmt, ist Bardone regelmäßig pleite, denn seine Spielsucht bringt ihn immer wieder an den Rand des Ruins. Seine Lebensgefährtin, die Tänzerin Valeria, muss ihm gelegentlich aus der selbst verschuldeten Malaise heraushelfen. Eines Tages hat Bardone es mit seiner Cleverness übertrieben. Eine Frau, der er wieder einmal Geld abgeknöpft hat, weil sie glaubte, er könne etwas für ihren gefangengenommenen Gatten tun, bringt in Erfahrung, dass die Deutschen ihn längst erschossen haben. Daraufhin denunziert sie Bardone beim Feind. Er gerät infolgedessen in die Hände der Deutschen. Sein Gegenüber, der SS-Standartenführer Müller, scheint nicht zu Späßen aufgelegt und macht Bardone klar, dass ihm die Todesstrafe droht, sollte er nicht mit seiner Dienststelle kooperieren.

Müller verlangt von Bardone, er solle den irrtümlich von deutschen Soldaten erschossenen Badoglio-General Giovanni Braccioforte della Rovere spielen, einen Anhänger des Widerstands. In dieser Maskerade solle Bardone zu Widerstandskämpfern in das Gefängnis San Vittore in Mailand eingeschleust werden, um von den Mitgefangenen eine zentrale Information zu ergattern: den wahren Namen des Anführers der Widerständler, den man nur unter dem Decknamen „Fabrizio“ kennt. Nolens volens schlüpft Bardone in diese Rolle und spielt bald den General della Rovere derart perfekt, dass er bald selbst an seine wahre Berufung als Anführer der Widerstandsbewegung glaubt. Aus dem miesen Gauner und Abzocker, der bislang auf Kosten der von ihm betrogenen Menschen gelebt hatte, beginnt ein neuer Mensch zu werden. Bardone entdeckt verlorengegangene Werte von einst ebenso wieder wie seine Vaterlandsliebe und den Anstand. Obwohl Müller ihm die Freiheit versprochen hat, wenn er die wahre Identität „Fabrizios“ aufdeckt, wechselt Bardone angesichts seiner inneren Läuterung die Seiten und beginnt SS-Müller hinzuhalten. Jetzt können auch eine Million Lire als Judaslohn und Müllers Versprechen auf eine freie Ausreise in die Schweiz nichts mehr bewirken: Bardone zieht es lieber vor, sich erschießen zu lassen als zum Verräter zu werden. Und so wird er, zusammen mit zehn anderen Männern, darunter auch Juden, von deutschen Soldaten exekutiert, nicht ohne zuvor mit einigem Pathos „Es lebe Italien!“ zu rufen.

Andre Schneider